Form

0381/49761-0

Thema

Offene Ladenkassen

19.09.2016

Offene Ladenkassen sind Kassen, die ohne jegliche technische Unterstützung geführt werden. Naturgemäß werden in Ermangelung der technischen Möglichkeiten keine digitalen Einzeldatenspeicherungen vorgenommen, sondern die Tageseinnahme retrograd rechnerisch ermittelt. Diese technische Einschränkung entbindet jedoch nicht grundsätzlich von der zuvor bereits angesprochenen Einzelaufzeichnungspflicht. Für offene Ladenkassen ist es von besonderer Bedeutung, den Bargeldendbestand täglich zu ermitteln und festzuhalten. Vom ausgezählten (und ggf. im Zählprotokoll festgehaltenen) Tagesendbestand sind alle belegmäßig (!) festgehaltenen Kassenausgaben sowie Privatentnahmen/-einlagen abzuziehen und um den Kassenanfangsbestand (d.h. den Tagesendbestand des Vortags) zu mindern. So werden retrograd die Tageseinnahmen des aktuellen Geschäftstags ermittelt. In Anhang 3 ist beispielhaft ein Berechnungsschema für einen Kassenbericht angegeben. Der so erstellte Kassenbericht ist täglich anzufertigen und unveränderbar festzuhalten.

Offene Ladenkassen dürfen auch nach der Reform für elektronische Registrierkassen (ab dem 01.01.2017) noch eingesetzt werden. Eine Rückkehr zu diesem System dürfte sich aufgrund der unzureichenden Kontrolle der eingesetzten Mitarbeiter jedoch in den überwiegenden Fällen verbieten.

Aufbewahrungspflichtige Unterlagen und Aufzeichnungen für offene Ladenkassen:

  • Alle Belege zu sonstigen Änderungen des Bargeldbestands (bspw. Belege zu Geschäftsausgaben, Eigenbelege zu Privatentnahmen/ -einlagen, Belege zu Geldtransfers, Quittungen über Einnahmen, Rechnungen, die bar vereinnahmt wurden)
  • Tägliche Zählprotokolle (empfohlen; siehe Anhang 1)
  • Täglicher Kassenbericht
  • Eintragung in das Kassenbuch

Schritte der Kassenführung beim Einsatz von offenen Ladenkassen:

  1. Ggf. Einzelaufzeichnung der Geschäftsvorfälle
  2. Tägliches Auszählen des Geldbestands (siehe Zählprotokoll Anhang 1)
  3. Tägliche Erstellung des Kassenberichts (siehe Anhang 3):
    • Laufende Erfassung (nicht nur am Monatsende) aller sonstigen Änderungen des Bargeldbestands (bspw. Geschäftsausgaben, Privatentnahmen/ -einlagen, Geldtransfers)
    • Retrograde Ermittlung der Tageseinnahmen
  4. Tägliche Übernahme der ermittelten Tageseinnahmen in das Kassenbuch
  5. Tägliche Erfassung aller sonstigen Änderungen des Bargeldbestands (bspw. Geschäftsausgaben, Privatentnahmen/ -einlagen, Geldtransfers) im Kassenbuch
  6. Zeitnahe Buchung bzw. Übergabe der Kassenbuchdaten zur Buchung an das Steuerbüro

Zitat des Tages

"Ich liege lieber grob richtig als exakt falsch"

Autor: F.J. Strauß
bg

Aktuelles aus der Kanzlei

  • Nutzungsdauer von Computerhardware und Software herabgesetzt

    Das Bundesfinanzministerium hat mit Schreiben vom 26.02.2021 Änderungen zur Nutzungsdauer von Computerhard- und software veröffentlicht.

  • Corona-bedingte Betriebsschließung - Gastwirt bekommt von Versicherung keine Entschädigung

    Obwohl er eine Versicherung gegen infektionsbedingte Betriebsschließungen abgeschlossen hatte, bekommt ein Gastwirt daraus keine Entschädigung für seine coronabedingten Umsatzausfälle

  • WEG: Auch während Corona-Pandemie „Geisterversammlung“ nicht rechtmäßig

    Während der Corona-Pandemie können für Eigentümerversammlungen Einschränkungen gelten. Allerdings kann ein Verwalter sich nicht nur selbst einladen

  • Statt Arbeitslohn gewährte Tankgutscheine und Werbeeinnahmen unterliegen der Beitragspflicht

    Das Bundessozialgericht entschied, dass Tankgutscheine über einen bestimmten Euro-Betrag und Einnahmen aus der Vermietung von Werbeflächen auf privaten Pkw, die als neue Gehaltsanteile an Stelle des Bruttoarbeitslohns erzielt werden, sozialversicherungspflichtiges Arbeitsentgelt sind und damit der Beitragspflicht unterliegen.

  • Outplacement-Beratung für berufliche Neuorientierung ist steuerfrei

    Arbeitnehmer, die sich beruflich neu orientieren und dafür von ihrem Arbeitgeber eine sog. Outplacement-Beratung erhalten, müssen dies nicht versteuern.

  • Notwendigkeit einer Einkommensteuererklärung wegen Bezugs von Kurzarbeitergeld

    Der Bezug von Kurzarbeitergeld kann für viele Arbeitnehmer in 2021 erstmalig zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung für das Jahr 2020 führen.

  • Reparatur eines privaten Kfz - Keine Steuerermäßigung für haushaltsnahe Handwerkerleistungen

    Unter die 20 %-ige Steuerermäßigung für haushaltsnahe Handwerkerleistungen fällt nicht die Reparatur eines privaten Kfz in einer „Werkstatt“.

  • Gewinn mit Kryptowährung kann steuerpflichtig sein

    Gewinne aus der Spekulation mit digitalen Devisen sind nicht unbedingt steuerfrei.

  • Durch angemietetes Arbeitszimmer Steuern sparen

    Nicht immer ist für das Arbeiten im „Homeoffice“ zuhause genug Platz oder Ruhe. Wer einen außerhäuslichen Büroplatz mietet, kann die Kosten dafür steuerlich absetzen.

  • Ist eine teilweise Schätzung bei der Anerkennung der Fahrtenbuchmethode zulässig?

    Für die Ermittlung der Kosten für die private Pkw-Nutzung ist sowohl bei Arbeitnehmern als auch bei Selbstständigen grundsätzlich die 1 %-Methode oder alternativ ein ordnungsgemäß geführtes Fahrtenbuch anzuwenden.